Ryanair's Null-Euro-Tickets

Februar 11, 2017


Was ist los? 

Vor einigen Tagen berichteten die Welt und der Aero Telegraph über Ryanairs neueste Kampfansage:

Preise zum Null-Euro-Tarif! 

Das ist die Zukunftsvision von Ryanair-Chef Michael O'Leary. Bereits in der Vergangenheit schockte die irische Billigfluggesellschaft ihre Konkurrenz häufig mit Dumpingpreisen, doch die Vision Flugtickets in fünf bis zehn Jahren kostenlos zu vergeben scheint nahezu irrsinnig.

2017 möchte Ryanair ihren durchschnittlichen Flugpreis von 45€ auf 25€ drücken. Dies soll vor allem durch niedrige Ölpreise und den geringen Kerosinverbrauch neuer Flugzeuge möglich sein.

Und Ryanair macht sofort ernst: Ab Montag, 13. Februar könnt ihr (eine begrenzte Anzahl) Tickets für 9,99€ bei Ryanair kaufen. 

Und wie soll der Null-Euro-Tarif erreicht werden? Wie kann das noch profitabel sein?

Ryanair stellt sich vor, den Umsatz lediglich über Zusatzleistungen (Hotelbuchungen, Sitzplatzreservierungen etc.) zu generieren. Zusätzlich träumt O'Leary davon, dass die Flughäfen ihre Einnahmen, die sie aus Ryanair-Passagieren erzielten mit der Fluggesellschaft teilen. Ryanair möchte also ein Stück vom Kuchen abhaben, wenn es um Einnahmen in Flughafenrestaurants und -shops geht.
Ob das wirklich realistisch ist?


Kritik. 

Sind kostenlose Flugtickets ethisch vertretbar?
Wir alle lieben das Reisen. Wir möchten uns selbst weniger als "Touristen", mehr als "Reisende" bezeichnen. Reisende, denen die Welt etwas bedeutet, die ihrer Schönheit begegnen wollen, ohne sie zu zerstören.
Doch wie passen dazu Null-Euro-Flugtickets?

Man denkt sofort an den Spruch "Wenn Reisen umsonst wäre, würdet ihr mich nie wieder sehen.", aber was passiert wenn Reisen wirklich zum Null-Tarif zu haben ist?
Die Anzahl von Flügen und damit die Umweltbelastung wird ins Unermessliche steigen. Und das in einer Zeit, in der wir uns überlegen sollten, ob es nicht sinnvoller ist die Strecke München-Berlin vielleicht lieber mit dem ICE zurück zu legen, statt dafür in ein Flugzeug zu steigen.

Und dann wäre da noch der steigende Druck auf die großen Linienfluggesellschaften. Diese können mit den günstigen Preisen von Ryanair, EasyJet und Co. nicht mithalten und versuchen es dennoch. Die Folge? Die Qualität sinkt und Passagiere erkennen häufig keinen Unterschied mehr zwischen einem Low-Cost-Carrier und einer etablierten Linienfluggesellschaft. So ist der Sitzabstand bei Lufthansa zum Beispiel mittlerweile genauso gering, wie bei Ryanair.
Ist es nicht aber eigentlich gut, eine gewisse Vielfalt an Dienstleistungsstandards zu haben? Die Möglichkeit zu wählen, ob man diesmal etwas "gehobener" fliegen möchte, oder ob ein günstiger Ryanair-Flug auch reicht?

Eines ist Fakt: 

Ryanair wird weiter Druck ausüben auf die Konkurrenz, zumal sie aktuell bekannt gaben, durch eine Kooperation mit Air Lingus und Norwegian nun auch Langstreckenflüge in den Flugplan mit aufzunehmen. Ryanair wird hierfür die Zubringerflüge nach Gatwick bzw. Dublin durchführen, von wo aus die Passagiere anschließend mit Air Lingus bzw. Norwegian ihre Reise Richtung USA antreten.

Es bleibt also spannend.


Exkurs. 

Wie schaffen es die Low-Cost-Carrier eigentlich, Flüge zu so niedrigen Preisen anzubieten?

Anders als viele denken, sparen die Fluggesellschaften nicht an Sicherheitschecks oder der Technik. Beides ist das gleiche, wie bei den großen Linienfluggesellschaften.

Gründe für die günstigen Preise sind:


  • kürzere Bodenzeiten: Die Billigfluggesellschaften versuchen jede Minute effizient zu nutzen und ihr Flugzeug in der Luft zu halten, denn nur so verdienen sie Geld damit. Die Zeit, in der das Flugzeug am Boden ist, wird also auf ein Minimum reduziert. 
  • geringere Löhne: Es ist leider Fakt, dass die Angestellten einer Billigfluggesellschaft geringere Löhne erhalten, als jene bei anderen Airlines. 
  • Flottenstandardisierung: Dadurch, dass Billigairlines ausschließlich Flugzeuge vom selben Typen verwenden, nimmt die Wartung weniger Zeit und damit Kosten in Anspruch. Auch die Einarbeitungszeit einer Crew entfällt, da jedes Flugzeug gleich aufgebaut ist. 
  • Geringerer Service: Low-Cost-Carrier berechnen für nahezu jede Serviceleistung extra, dies macht sich deutlich bemerkbar. 
  • Höhere Sitzdichte: Dies ist mit durchschnittlich 16% Kostenvorteilen der entscheidendste Grund. Billigfluggesellschaften transportieren auf dem selben Raum mehr Passagiere, als andere Airlines und können damit mehr Tickets verkaufen. 

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9 Kommentare

  1. Hi Giulie,
    ich sehe diese Entwicklung der letzten Jahre extrem kritisch. Flüge für 9,99€ oder auch 25€, wie soll das funktionieren? Ich kann es mir nicht vorstellen. Es muss Personal bezahlt werden, Kerosin, die Wartung des Flugzeugs,... Meiner Meinung nach leidet am Ende nur unsere eigene Sicherheit unter diesen Billigpreisen. Deshalb fände ich schön, wenn es irgendwann einmal eine realistische Preis-Grenze nach unten gäbe und nicht zwanghaftversucht wird, die Konkurrenz im Preis noch weiter zu unterbieten.
    LG Melli

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    1. Ich sehe es ähnlich wie du. Flüge zu diesen Preisen sind nicht gut, auch wenn eher das Personal unter immer geringeren Löhnen leidet, als unsere Sicherheit. Aber stimmt: Der Druck die Bodenzeiten immer noch kürzer zu halten wird sich bestimmt auch auf die Wartung und Sicherheitschecks auswirken, denn unter Druck wird bekanntlich ungenauer gearbeitet. Eine Preis-Grenze wäre wirklich sinnvoll.

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  2. Hallo

    Vor vielen Jahren bin ich mit Ryanair geflogen (Bratislava - London)

    Grundticket war damals unter 10 Euro, hinzu kam aber eben noch das wir uns eben das Boarding dazugekauft haben (wir wollten unter den ersten an Bord sein um einen Fensterplatz zu bekommen)
    Wir saßen beides mal in der ersten Reihe - einmal Bulkhead - vor uns die Wand und das andere mal vor uns die Tür.

    Das Boarden geht bei Ryanair wirklich sehr schnell. Crew war freundlich. Aber ich würde trotzdem nicht mehr mit ihnen fliegen, da man, wenn man die ganzen Extras bucht undbestimmte Plätze haben will - beim gleichen preis ist, als wenn man z.B mit Austrian fliegt.
    Wem es egal ist wo man sitzt etc,.. der kommt natürlich besser weg.

    Grüße

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    1. Das stimmt absolut. Diese Kampfpreise locken zwar im ersten Moment an, aber am Ende zahlt man durch etliche Zusatzgebühren fast den gleichen Preis wie bei anderen Airlines. Ich bevorzuge es auch, dann lieber gleich bei Lufthansa und Co. zu buchen - die zahlen ihren Angestellten wenigstens einen angemessenen Lohn.

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  3. Hi Guilie,

    ich sehe das ähnlich wie Melli. Zwar fühle ich mich eigentlich im Flieger immer sicher, jedoch frage ich mich auch, wie das alles realisierbar ist.

    Liebe Grüße,


    Marian

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  4. Danke für den Beitrag.
    ich stehe dem Thema jedoch kritisch gegenüber. Ich selbst versuche in Europa kaum das Flugzeug für Reisen zu nehmen, da ich das ethisch nicht als vertretbar ansehe. Ich tue mich schon schwer mit Reisen in die Ferne, welche man ohne Flugzeug nicht antreten kann. Aber muss es denn sein, für einen Tag, für ein Wochenende, in den Flieger zu steigen?!?! Diese ganzen Businessflüge, oder Kurztrippflüge sind für die Natur alles andere als vertretbar und werden durch diese Billigpreise und dadurch das fliegen nahezu für jeden möglich wird, zu etwas ganz normalen - kaum einer macht sich doch noch Gedanken welche enormen Auswirkungen die Flüge auf die Umwelt haben. Jeder denkt, ach das ist günstig , das ist normal.

    Freundliche Grüße
    Svenja

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    1. Ich gebe dir absolut recht! Danke für deinen Kommentar.
      Mal sehen, wie sich das in Zukunft entwickelt.. ob es ein Umdenken geben wird, oder das Flugzeug als Transportmittel so normal wird wie heute das Auto..

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  5. Danke für diesen interessanten Input!
    Ich sehe das ähnlich wie bei der Ernährung oder bei Kleidung:
    Willst du was Ordentliches, musst du einfach ein bissl mehr ausgeben.
    Die Leidtragenden sind die Angestellten, ganz klar...
    Zwecks der Umweltbelastung ist es glaub ich kein Thema. Solange irgendwelche Reiche mit ihren Privatjets täglich durch die Weltgeschichte fliegen.. Da macht es schon mehr Sinn, ein Flugzeug mit vielen Personen zu befördern.

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  6. Wirklich ein spannender Beitrag! :)

    Liebe Grüße,
    Jasmin.

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